Homepage Stefan ZackenfelsAusdrucken Ausdrucken

Hospiz

HOSPIZ: – „Menschenwürdiges Leben vor dem Lebensende – vor dem Sterben”

Die bessere Alternative: Antwort auf DIGNITAS

Zum Beispiel wegen als unerträglich empfundener Schmerzen suchen Schwerstkranke manchmal nach einer sicheren Möglichkeit, ihr Leben selbstbestimmt zu beenden. Weil wir Christen diesen Wünschen nicht  - auch nicht im Wege der Beihilfe zum Suizid – entsprechen können, bedarf es um so mehr des behutsamen Eingehens auf diese Bitten. Sie müssen ernstgenommen und in der Tiefe verstanden werden. Bei behutsamem Nachfragen sind in den „Sterbewünschen” oft verschiedene Ängste enthalten: Vor unerträglichen Schmerzen, aber auch dem Alleinsein, sozialer Ausgrenzung, als zu stark empfundener Belastung der Angehörigen.

Eine menschenfreundliche Antwort ist die intensive, persönliche Betreuung entweder im Wege der palliativen (wärmenden) Medizin oder bei Sterbenskranken durch die aktive STERBEBEGLEITUNG in Hospizen. Soweit personell/sachlich möglich, werden diese Dienstleistungen auch zuhause angeboten. Erfahrungsgemäß kann so der ursprünglich geäußerte „Sterbewunsch” gut interpretiert und beantwortet werden.

Die Begleitung und Hilfe für die Betroffenen – Patienten und deren Angehörige – im Hospiz im Sinne einer umfassenden (rounded care) Betreuung auf dem Weg zu einem menschenwürdigen Sterben hat seit dem Mittelalter eine lange christliche Tradition. (lat. hospitium: Gastfreundschaft, Herberge).

Die meisten Menschen möchten zu Hause, zumindest in ihrer vertrauten Umgebung sterben (aber 70% sterben in einem Krankenhaus). Dazu bedarf es auch einer weit größeren Zahl in der Palliativmedizin ausgebildeter (Haus)-Ärzte – für die ambulante und/oder die stationäre Betreuung.

Auch als Antwort auf die Auflösung der Familienbande und die zunehmende Anzahl der Single-Haushalte hat sich bei uns (ausgehend von England) die Zahl der Hospize und der Palliativstationen erfreulich vermehrt – auf über 75 Palliativstationen und mehr als 100 Hospize. Diese Erhöhung ist zwar erfreulich, aber noch lange nicht ausreichend; in der Stadt Frankfurt gibt es z. Zt. nur zwei Hospize.

Damit Angehörige die Pflege schwerstkranker Angehöriger übernehmen können, schlägt das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken eine „Pflegezeit” (mit Arbeitsplatzgarantie) vor. In Österreich wird die Betreuung sterbenskranker Familienangehöriger für bis zu sechs Monaten durch die „Familienhospizkarenz” erleichtert.

Aus den USA kommen ernüchternde Nachrichten. Die hohe emotionale Belastung der Betreuer führt in den Staaten, welche den assistierten Suizid gesetzlich erlaubt haben, zu einem meßbaren Anstieg dieses „verweigerten Mit-Leidens”.

Palliativ-/Hospiz-Stationen in christlicher Trägerschaft sind der gesellschaftlich akzeptierte Gegenentwurf zu der geforderten Legalisierung der aktiven Sterbehilfe und/oder Angeboten wie DIGNITAS.

Gesundheit ist zwar ein erstrebenswertes Ziel, aber nicht der Maßstab für den Wert des Lebens. Auch Leiden kann einen Sinn haben. In einer Gesellschaft, in der Jugend, Gesundheit und blendendes (wen?) Aussehen einen hohen Stellenwert haben, muß jemand wie Papst Johannes Paul II in dem offenen Umgang mit seiner Krankheit und seinem Tod ein Stein des Anstoßes sein – aber auch für viele Kranke ein Grund der Hoffnung. Im Tod traf auf ihn die heute fast nicht mehr geläufige bzw. verständliche Beschreibung zu: „Er hat das Zeitliche gesegnet”.

Fragen zur Sinndeutung von Krankheit, auch des Leidens, zur spirituellen Dimension, werden als “Spiritual Care” bezeichnet (und gelehrt).

Vergl. auch das „Ars Moriendi” – Projekt und Texte (ZDZ) zu Einzelaspekten.

Dezember 2010